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»Woscht Anna« zieht in Gießen erneut um

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Etliche Umzüge hat die »Woscht Anna« hinter sich. Jetzt steht der Kult-Imbiss in der Grünberger Straße. Archivfoto: Scholz © Red

Die »Woscht Anna« muss in Gießen zum wiederholten Male den Standort wechseln. Die Traditionswurst gibt es künftig in der Grünberger Straße 136, nicht mehr in der Ringallee.

Gießen (fley). Eine Gießener Institution hat zum Jahreswechsel ihren Standort geändert, wenn auch nicht ganz freiwillig: Statt wie zuvor an der Ringallee, und davor Ecke Moltkestraße, steht die »Woscht Anna« ab sofort an der Grünberger Straße 136.

Da der Standortvertrag zum Jahresende 2021 ausgelaufen ist, war Betreiber Carlos Zach-Zach gezwungen, einen neuen Platz zu suchen. Der Stellplatz am Freibad Ringallee war bereits 2019 nur als Provisorium angedacht. »Wir hatten vor zwei Jahren schon einen neuen Standort gesucht. Ich habe mich mit den Stadtwerken und dem damaligen Bürgermeister Peter Neidel unterhalten und wir haben eine Möglichkeit gesucht, dass die ›Woscht Anna‹ prominent in Gießen verortet bleibt«, schildert Zach-Zach. Der Imbisswagen habe den Platz am Freibad bekommen, aber nur mit der Vorgabe, dass der Vertrag nur für ein Jahr gelte.

Aufgrund der pandemischen Lage habe er nochmal höflichst nachgefragt, ob er ein Jahr länger dort bleiben dürfe. Das wurde vonseiten der Stadtwerke dann auch genehmigt. »Wir haben im Jahr 2019 einen Vertrag über die Nutzung der Stellfläche mit der Firma Zach-Zach bis Ende 2020 abgeschlossen. Dieser Vertrag wurde Ende 2020 noch einmal um ein Jahr bis Ende 2021 verlängert mit der klaren Aussage, dass der Platz ab 2022 nicht mehr verfügbar ist«, sagt der Unternehmenssprecher der Stadtwerke, Ulli Boos, auf Anfrage. Die Idee, den Standort an die Grünberger Straße zu verlegen, kam Zach-Zach spontan. »Ich wusste, dass in der Grünberger mal ein Imbisswagen stand. Deswegen haben wir den Standort genommen. Wir brauchen auch Parkplätze, denn unsere Wurstbude lebt von größeren Verkehrsfahrzeugen wie die Feuerwehr«, erzählt der Betreiber. Über den Standortwechsel in die Nähe des Waldstadions ist er dennoch verärgert, vor allem aufgrund der Begründung. »Es ist tragisch, dass so ein Traditionsbetrieb wie die ›Woscht Anna‹ abseits der Stadt ist. Ich halte das für sinnfrei und grotesk. Ich habe das Gefühl, dass die Stadt Gießen hier wirklich bewusst die Tradition zerstören will«.

Stadträtin Weigel-Greilich teilt auf Anfrage mit, dass es begrüßenswert sei, dass wieder mehr Fläche für Wohnmobile zur Verfügung gestellt werden kann. »Gerade Corona hat zu einem Schub bei der Beliebtheit von Urlaubs- und Städtereisen mit dem Wohnmobil geführt. Zum Trend gehört auch, dass Standorte in den Innenstädten gesucht werden«. Die Stadträtin freue sich natürlich ebenso darüber, dass die »Woscht Anna« als Gießener Institution einen neuen Standort gefunden habe. Worte, die für Betreiber Zach-Zach »wie blanker Hohn« klingen. »Gießen wird nie ein zentraler Punkt des Tourismus sein. Gießen wird auch kein Touristenzentrum werden. Der Parkplatz, wo wir standen, bringt der Stadt kaum etwas. Ich zahle an Gewerbesteuer in einem Jahr mehr als der Parkplatz in zehn Jahren erbringt«.

Er habe sich damit abgefunden, dass die Stadt keine Imbisswagen duldet und lieber auf Gewerbeeinnahmen verzichtet. »Gerade zu Corona-Zeiten hätte ich erwartet, dass die ›Woscht Anna‹ dort stehenbleiben kann. Die Leute möchten doch etwas Traditionelles haben, was sie von ihrer Kindheit schon kennen«, so Zach-Zach weiter. Sein Dank geht in Richtung der Stadtwerke, die damals die kurzfristige Lösung ermöglicht hatten. Gleichzeitig sieht er die Handlungen der Verantwortlichen auf städtischer Seite kritisch. »Mein Eindruck ist es, dass bewusst Traditionen kaputtgemacht werden sollen«.

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