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Würdige Vertreter ihres Ensembles

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Glänzend aufgelegt (von links): Sebastian Wittiber, Anne-Sophie Bertrand und Ulrich Horn in der evangelischen Kirche in Wißmar. © Schultz

Wettenberg. Stürme tosen, Bäume fallen, doch die Wettenberger Winterkonzerte gehen weiter. In der aktuellen Ausgabe waren am Sonntag drei Mitglieder des renommierten Frankfurter hr-Sinfonieorchesters zu Gast in der evangelischen Kirche Wißmar. Gespielt wurden unter anderem Werke von Bach, Smetana, Elgar und Ravel - auf handwerklich und künstlerisch höchstem Niveau.

Anne-Sophie Bertrand (Harfe), Sebastian Wittiber (Flöte) und Ulrich Horn (Violoncello) erwiesen sich als würdige Vertreter ihres Ensembles und machten bereits mit dem ersten Werk, Johann Sebastian Bachs Sonate g-Moll BWV 1020 in drei Sätzen, ihre Stärken klar. Mit lyrischem Fluss legte das Trio los, die Flöte agierte gemessen, teils fast bedächtig. Im Allegro kam dann frischer Wind auf: flink, gefühlt fast ein wenig atemlos. Exzellente Binnendifferenzierung der Partien und eine traumhaft sichere Kooperation der Musiker kennzeichneten diesen ersten Teil des Konzerts, ein Glanzlicht, das den Zuhörern Energie und Charakter des Werks komplett erschloss; heftiger Beifall.

Bei Jean Francaix (1912-1997) und seinen »Cinque piccolo duetti« für Flöte und Harfe wurde die moderne Machart sogleich offenkundig. Liedhaft angelegt, wurde das Werk mit Energie, poetisch und einem humorvollen Abschluss im zweiten Satz gespielt. Auch hier zeichneten die Gäste inhaltliche Nuancen und vielerlei Stimmungen souverän durch, blieben heiter und dabei stets substanziell. Camille Saint-Saëns‹ »Der Schwan« glitt dann sanft, fast majestätisch vorüber, mit wunderbar kantablem, stimmungsvollem Cello: Das war kurz, aber wunderbar.

Mit Bedrich Smetanas »Fantasie über die Moldau« op. 43 für Harfe Solo belegte Anne-Sophie Bertrand dann eindrucksvoll ihre Fähigkeiten. Sie realisierte eine prägnante, direkte musikalische Aussage mit stimmungsvoller Dramaturgie. Das war harfentypisch, dabei glasklar, differenziert und inhaltlich überzeugend. Sie vermittelte einen mühelosen Eindruck, agierte handwerklich herausragend und lebendig: ein Glanzlicht.

Gabriel Faurés (1845-1924) »Fantaisie« op. 79, für Flöte und Harfe war dann das nächste musikalische Vergnügen: sanft aber kraftvoll, die Flöte zugleich fantasievoll und präzise, insgesamt schön leicht und flott. Peter Tschaikowskys »Valse sentimentale« für Cello und Harfe wurde auf gleichem Niveau realisiert. Hier glänzte Cellist Ulrich Horn solistisch, hochkantabel musizierte er mit eindrucksvoller Emotion des Klangs - großartig.

Bei Debussys »En Bateau« für Flöte und Harfe waren beide Solisten gleichberechtigt zu erleben, erzählt wurde im Duett eine schöne kleine Geschichte. Als Abschluss präsentierte das Trio Maurice Ravels (1857-1936) »Sonatine en Trio«. Ob dramatisch, zart lyrisch oder sprudelig, fast heftig - die Gäste bildeten in den drei Sätzen jede angelegte Richtung ab. Eine aparte Vielfalt mit vielen sachten Momenten aber auch mit tragender Kraft wurde dabei zu einem starken, dynamischen Finale hin entwickelt. Es war der sehr gute Abschluss eines herausragenden Konzerts. Als Zugabe gab’s noch eine Bach-Sonate. Eine verhaltene, fast hingehauchte Darbietung von größter Klarheit, superb.

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