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Würdiger Abschied von 24 Körperspendern

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Beide Pfarrer verlasen die Namen der 24 Körperspender, die anschließend beigesetzt wurden. Foto: Schäfer © Schäfer

Gießen (rsa). »Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf all deinen Wegen.« (Psalm 91.11). Die alljährliche Trauerfeier zur Bestattung der Körperspender des Instituts für Anatomie und Zellbiologie der Justus-Liebig-Universität auf dem Neuen Friedhof wurde von Vertretern der katholischen und evangelischen Klinikseelsorge mit den Angehörigen und Bekannten von 26 Körperspendern abgehalten.

In der Friedhofskapelle und davor in deren Innenhof saßen all die Medizinstudenten, die in den vergangenen zwei Semestern den menschlichen Körper durch Sezieren hatten kennenlernen dürfen. Gekommen waren die rund 200 Studierenden, um ihren tiefsten Dank auszudrücken: »Sie gaben uns ihre menschliche Hülle, damit wir lernen, beobachten und verstehen konnten.« Das helfe ihnen nach ihrer Ausbildung in der Praxis, im Krankenhaus, auch auf der Intensivstation.

Gelernt hätten sie, wie verschieden und wie wunderschön Leben sein kann und wie wichtig es ist, es zu achten und zu respektieren. Hannah Remmel und Solveig Alice sprachen für sie zu den Angehörigen der Körperspender und dankten ihnen.

Dr. Jörg Klug vom Institut für Anatomie und Zellbiologie machte in seiner Trauerrede deutlich, wie wichtig das Sezieren für die Studenten ist. Erkrankte gingen davon aus, dass der Arzt den menschlichen Körper kenne. Als Student müsse man ihn deshalb kennenlernen.

Die evangelische Klinikseelsorgerin Pfarrerin Susanne Gessner verlas den Psalm 121: »Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.«

Pfarrer Matthias Schmid, der katholische Klinikseelsorger, fragte: »Was ist der Mensch?« und antwortete an die Studenten gewandt: »Ein Lehrmeister, von dem Sie lernen.« Dies führe dann zu der Frage: »Wie sieht es denn in mir aus?« Auch die Frage nach Gott sei nicht so einfach.

»Ein Wesen, das wir nicht nur als lieb, sondern auch als hart und ungerecht erleben.« Den Studenten gab Schmid mit auf deren Weg: »Ein guter Arzt muss vom Patienten als Vertrauensperson gesehen werden. Ein Roboter kann ihn nicht ersetzen.« Die Natur habe es so vorgesehen, dass wir alle alt und viele auch krank werden. Aber niemand solle leiden. »Dafür sollen die Mediziner sorgen.«

Die Studentinnen Sarah Elisabeth Muck, Theresa Tirler und Johanna Becker sprachen die Fürbitten. Musikalisch umrahmt wurde die Trauerfeier durch Anna Friesl und Ramon Fuckert (beide Piano), Frederike Schwarzer (Cello), Amelie Pritz (Gesang) sowie Tabea Pahlke und Frederik Borchers (beide Saxophon). Der Chor der Studenten sang unter der Leitung von Alexandra Klunke und Daria Koch.

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