1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Zähler im Auge behalten

Erstellt:

Von: Rüdiger Schäfer

ANZGLOKSTADT19-B_130127_4c
Die Empfehlung der Experten lautet, den Stromzähler regelmäßig im Blick zu halten. Allerdings ist der Zugang in Wohnbau-Wohnungen nicht möglich. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa © Red

Stromverträge, Anbieterwechsel, Stromsperren und vieles mehr rund um die horrend gestiegenen Energiepreise waren Themen beim »Nordtalk« im Nordstadtzentrum Gießen.

Gießen. »Öffnen Sie sämtliche Briefe! Machen Sie den Zählercheck! Monatlich!«, so der Appell von Susanne Pertermann, leitende Beraterin bei der Verbraucherberatung. Alle Briefe aufmachen und den Stromverbrauch im Auge behalten haben scheinbar auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun, kristallisierten sich beim »Nordtalk« jedoch als eminent wichtig heraus. Denn beides betrifft die stark steigenden Energiepreise, die im Mittelpunkt der von Nordstadtmanager Lutz Perkitny moderierten Veranstaltung im vollbesetzten Saal im Nordstadtzentrum standen.

Außer Pertermann waren Ulli Boos und Astrid Weixler, Unternehmenssprecher und Energieberaterin der Stadtwerke (SWG) sowie die Stadträte Astrid Eibelshäuser und Francesco Arman in die vielen Fragen der 50 Interessierten eingebunden.

Dass bei in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Personen oft festgestellt wird, dass Mahnbriefe ignoriert, also nicht geöffnet werden, betrifft derzeit insbesondere Energiekostenrechnungen. Deshalb wurde mehrfach appelliert, sämtliche Briefe zu öffnen, die vom Versorger kommen. Mit diesen Briefen in der Hand sollte man im Nordstadtzentrum Sozialberater Ralf Gockel, die Verbraucherberatung in der Südanlage oder die SWG-Kundenberatung am Marktplatz oder in der Lahnstraße aufsuchen. Anderenfalls kann es dazu kommen, dass der Strom abgestellt wird. Und dann wird es richtig teuer, wieder welchen zu bekommen. In diesem Fall gibt es lediglich die »Ersatzversorgung«. Diese Ersatzversorgung, die für Gießener Haushalte nur bei den örtlichen SWG möglich ist, kostet derzeit - seit 1. Oktober - mit 70,40 Cent je Kilowattstunde (Ct/kWh) das Zweieinhalbfache der Grundversorgung - 28,49 Ct/kWh seit 1. Juli. Die Grundversorgung der SWG erhält jeder Verbraucher, dessen Vertrag mit einem anderen Stromanbieter gekündigt ist; entweder wegen Fremdkündigung durch den Stromanbieter oder bei Eigenkündigung wegen Strompreiserhöhung des Anbieters. Der Stromkunde hat nämlich das Recht, bei einer Preiserhöhung seinen bestehenden Stromvertrag zu kündigen.

Boos: »In den Vergleichsportalen werden sie keinen günstigeren Preis finden als bei uns in der Grundversorgung.« Es ist richtig, dass für Gießener Haushalte derzeit der Grundversorgungstarif der SWG bundesweit der mit großem Abstand günstigste Tarif ist. Auf die Frage an den Unternehmenssprecher der SWG , wo es mit der Stromkosten-Reise ende: »Ich kann zwar nicht in die Glaskugel schauen, denke jedoch in Richtung 32 bis 35 Cent je Kilowattstunde bei der Grundversorgung wird es gehen.«

Für immer mehr Menschen wird es zunehmend schwieriger, ihre Stromrechnung zu bezahlen. »Was dann?« war eine Frage aus dem Publikum. SWG-Energieberaterin Weixler: »Bitte kommen Sie zu uns, um das Problem in den Griff zu bekommen! Das Allerletzte, was wir wollen, ist ihnen den Strom abzustellen.« Für einen Arbeitslosengeld-II-Bezieher (Hartz IV) sind 38,07 Euro für Wohnen, Energie und Wohninstandhaltung im monatlichen Regelsatz enthalten - also auch der Strom, der daraus bezahlt werden muss. Eibelshäuser riet, bei Stromrückständen das Jobcenter mieinzubeziehen. Ein zinsloses Darlehen für Stromschulden zu erhalten, sei dort möglich. »Damit kann man eine Reihe von Härtefällen abwenden.« Den »Härtefallfonds«, den die amtierende grün-rot-rote Stadtregierung laut Koalitionsvertrag auflegen wollte, gibt es anscheinend noch nicht. Für die Stadträtin ist »regelmäßiges Stromablesen wichtig.« Für den, der ein Eigenheim besitzt, stellt dies auch kein Problem dar. Anders bei Hunderten von Wohnungen in der Nordstadt, die der Wohnbau gehören. »Hier im Quartier sind die meisten Zähler gar nicht zugänglich«, so ein Teilnehmer der Veranstaltung. Grund ist, dass die Wohnbau die Räume mit den Stromzählern verschlossen hält.

Sozialdezernent Francesco Arman, der zugleich als Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnbau amtiert, versprach dafür zu sorgen, dass zumindest einmal im Monat der Zählerstand entweder vom Mieter abgelesen werden kann oder dieser eine Mitteilung über den jeweiligen Zählerstand im Briefkasten vorfindet. Dies sei dann nicht unbedingt am Monatsersten, jedoch ein ganz bestimmter Tag eines jeden Monats; also regelmäßig einmal pro Monat.

Auch interessant