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Zehn Jahre Graduiertenzentrum

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Mit Blumen die Preisträgerinnen Juliana Gonzáles Villamizar (r.) und Dr. Magdalena Jas-Nowopolska, daneben Prof. Martin Kramer und Prof. Lena Rudkowski, dazwischen Commerzbank-Direktor Matthias Kamps. Foto: Schäfer © Schäfer

Auf dem Sommerfest des Graduiertenzentrums Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften der JLU Gießen wurde gleich zweimalder Dr. Herbert-Stolzenberg-Preis vergeben.

Gießen. Zwei Preisträgerinnen wurden beim Sommerfest des Gießener Graduiertenzentrums Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften (GGS) der Justus-Liebig-Universität (JLU) in der Uni-Aula ausgezeichnet.

Alle zwei Jahre wird der Dr.-Herbert-Stolzenberg-Preis für Forschung in den Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften für wissenschaftliche Leistungen von herausragender Qualität an bis zu zwei GGS-Nachwuchswissenschaftler verliehen. Die Preise waren mit je 1500 Euro dotiert und werden zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses vergeben. Sie dienen der Würdigung von Wissenschaftlern auf Promotions- und Postdoc-Ebene, die sich durch exzellente Forschungsleistungen und besonderes Engagement für ihren Wissenschaftsbereich auszeichnen.

Für die Forschungsarbeit »Freiheit der wirtschaftlichen Tätigkeiten in der polnischen und deutschen Rechtskultur - eine rechtsvergleichende Perspektive« erhielt Dr. Magdalena Jas-Nowopolska, Postdoc der Rechtswissenschaft, betreut von Prof. Thilo Marauhn, einen der beiden Preise. Der zweite Preis ging an Juliana Gonzáles Villamizar, Promovierende der Sozialwissenschaften vom Deutsch-Kolumbianischen-Friedensinstitut CAPAZ, betreut von Prof. Stefan Peters. Ihre Arbeit: »Friedens- und Konfliktforschung mit Fokus auf Transitional Justice und der kolumbianischen Wahrheitskommission sowie durch empirische Feldforschung unter indigenen und afro-kolumbianischen Opfern des bewaffneten Konflikts.« Transitional Justice hat zum Ziel, unbekannte und bekannte Verbrechen einer vorherigen gewaltsamen Vergangenheit eines Gemeinwesens publik zu machen und die gesellschaftliche Diskussion einzuleiten und Lösungen zu finden, um ein langfristiges Aussöhnen zu erreichen.

Errichtet wurde die Dr.Herbert-Stolzenberg-Stiftung als Stiftung des bürgerlichen Rechts im Jahr 1998 in Gießen. Stifter ist der ehemalige Bankdirektor der Dresdner Bank, Dr. Herbert Stolzenberg aus Gießen. (Anmerkung: Die Dresdner Bank ist in der Commerzbank aufgegangen.) Die Stiftung dient der Förderung von Wissenschaft, Forschung und Bildung, vorrangig in den Sektionen Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaften, Chemie und Humanmedizin.

»Erfolgsrezept«

Der Stiftungszweck soll insbesondere erfüllt werden durch die Vergabe von Preisen an Hochschulabsolventen. Bei der Preisverleihung war der Gießener Direktor der Commerzbank AG, Matthias Kamps, zugegen. Mit dem GGS, das nunmehr seinen zehnten Geburtstag feiert, eröffnete die JLU am 18. Juni 2012 ihr drittes Graduiertenzentrum und erweiterte damit ihre Nachwuchsarbeit um ein Angebot für die Fächergruppen der Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaften und Sozialwissenschaften.

»Mit der Gründung des GGS haben wir vor zehn Jahren das JLU-Erfolgsrezept fachlich orientierter Graduiertenzentren zielstrebig weiterverfolgt«, sagte Prof. Martin Kramer, Vizepräsident für Forschung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Mittlerweile sei das GGS eine feste Größe der Nachwuchsförderung für die drei Fächergruppen. Anno 2001, berichtete die Geschäftsführende Direktorin des GGS, Prof. Dr. Lena Rudkowski, sei das erste Graduiertenzentrum als eines der ersten in Deutschland eingerichtet worden. Demnächst werde mit Naturwissenschaften und Psychologie das vierte folgen. »Damit sind alle Fachbereiche abgedeckt.« Für junge Wissenschaftler solle ein interdisziplinäres Forschen ermöglicht werden. »Lernen voneinander und miteinander« sei dabei wichtig.

14 Sektionen

In den zehn Jahren seit seiner Gründung sei das GGS ein Ort für inner- und interdisziplinäre Begegnungen geworden: In 14 Forschungssektionen sowie Arbeitsgruppen forschten und publizierten Promovierende, Postdocs (frisch Promovierte) und Professoren gemeinsam und veranstalteten Tagungen oder Workshops. Im Rahmen eines umfangreichen Curriculums qualifizierten sich Promovierende und Postdocs des GGS sowohl für wissenschaftliche als auch außerwissenschaftliche Karrierewege. Weitere Säulen des Angebotportfolios seien Beratungsleistungen, Informations- und Netzwerkveranstaltungen sowie Programme zur Drittmitteleinwerbung, zum Akademischen Schreiben oder Publizieren.

Einen kurzweiligen Vortrag hielt Prof. Martin Kersting mit der Professur Psychologische Diagnostik an der JLU, Mitglied des Ethikbeirates HR Tech, des Forums Assessment und Vorsitzender des Diagnostik- und Testkuratoriums. »Rhetorisch erstklassig. Witz und Kompetenz in Einem«, hieß es 2015 und 2016 über ihn, als er auf dem Siegerpodest für den »Professor des Jahres« stand. In seinem Gastvortrag »Unconscious Bias (unbewusste Vorurteile): Die Befangenheit des Denkens, die Diversity (Vielfalt) verhindert« beleuchtete er diese Thematik mit viel Humor am Beispiel von Personaleinstellungen.

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