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Zehn Stunden »Twitter Gewitter«

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Verkehrsunfall auf der Marburger Straße, dann Fleischwurst zum Frühstück in der Wache - auf Twitter konnte man die Einsätze der Gießener Feuerwehr am Freitag miterleben. Screenshot: Jung © Klaus-Dieter Jung

Türöffnung und Fleischwurst: Feuerwehr Gießen gewährt Einblick in Wache und Einsatzgeschehen.

Gießen. »Ulai, digge ma, die Feuerwehr Gi hat heut« Twittergewitter«: Auf Manisch verkündeten die Einsatzkräfte der Feuerwehr Gießen am Freitag ihre Teilnahme am »Twitter Gewitter«. Zehn Stunden, von 8 bis 18 Uhr, tobte das Gewitter beim Kurznachrichtendienst, an dem 57 Berufsfeuerwehren aus Deutschland teilnahmen.

Den 11. Februar, europäischer Tag des Notrufs 112, nutzen sie, um live und für alle sichtbar über Einsätze zu berichten und Einblicke in ihren Berufsalltag zu geben. Ein Verkehrsunfall, Türöffnung wegen hilfloser Person, eine Ölspur und Druckabfall in einer Sprinkleranlage, Vorbereitungen beim Schichtwechsel und anderes: Bei Twitter ließen die hauptamtlichen Brandschützer einen Blick in die Wache in der Steinstraße zu.

Um 7.44 Uhr öffneten sich die Tore der Fahrzeughalle, die roten Fahrzeuge rückten mit Blaulicht und Martinshorn Richtung Marburger Straße zu einem Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person aus. »Glücklicherweise ist niemand mehr eingeklemmt« stand die erlösende Meldung wenig später auf #giessen112#live, die Marburger Straße war allerdings voll gesperrt. »Bei uns gibt es gerade noch Blechschaden im Angebot, dann wird gegessen«, lasen die Nutzer beim Nachrichtendienst und sahen zwei arg lädierte Autos. Im Speiseraum wartete heiße Fleischwurst - wie jeden Freitag.

Um 8 Uhr startete das mediale Gewitter 2022 und vor den Einsatzkräften lagen zehn Stunden, in denen sie (fast) alles von sich öffentlich preisgaben. »Guten Morgen, liebe Twittergemeinde«, grüßte der Einsatzleiter die Menschen an Smartphones, Tablets und PCs. Und er berichtete, ganz wichtig zu Beginn der Schicht sei die Fahrzeugübernahme. Geprüft werden muss, ob die alles funktions- und einsatzbereit ist. Seine Hauptarbeitsgegenstände sind Funkgerät, das Tablet für Informationen und der CO-Warner (Kohlenmonoxid-Melder). »Das ist mein Job«, machte der Feuerwehrmann deutlich, die richtigen Funkkanäle müssen eingestellt, die Akkuspannung ausreichend und der CO-Warner funktionsfähig sein. Tobias Hennemuth, vor dem Bildschirm mit vielen Nachrichten sitzend, blickte in die Kamera und erklärte mit Freude: »Steuermann auf #gießen112 macht auch richtig Laune«.

Die Drehleiter auf dem Hof streckte sich morgens in die Höhe und ermöglichte, aus dem Korb aufgenommen, einen 360-Grad-Blick über Gießen bis in das Umland bei bedecktem Himmel. Nicht weit fahren musste der Erkundungstrupp zum Einsatz wegen eines Druckabfalls in einer Sprinkleranlage. Keine Gefahr, konnte nach genauer Begutachtung attestiert werden, und das Fahrzeug rückte wieder ab in die Steinstraße.

Auch für Überraschungen sorgte die Aktion vom Kurznachrichtendienst: Einsatzkräfte der Feuerwehr Lollar spendeten ihren Gießener Kollegen kleine Happen zum Frühstück. Essen erwies sich als ein wichtiges Thema an diesem Tag. Die Einsatzabteilung erinnerte mit einem Schwarz-Weiß-Foto an eine Mittagspause in der Feuerwache in den 1960er Jahren und fragte gleichzeitig die anderen Teilnehmer bei Twitter: »Was gibt es heute bei euch?«.

Das Frühstück in der dritten Etage der Wache, wo die Amtsleitung und die Abteilungsleiter residieren, bestand aus Hackfleisch, Eiern, Gurken und Zwiebeln. Ein Behältnis auf dem Tisch warf die Frage auf: »Butter/Margarine unter Mett?« Ja, auch über solch elementaren »Glaubensfragen« wurde diskutiert. Freitag ist Waschtag für die Einsatzfahrzeuge. Dabei gilt das Motto: »Viele Hände - schnelles Ende«. Das Hilfeleistungsfahrzeug, die Drehleiter und das Kleineinsatzfahrzeug (KEF) rückten aus, um einer hilflose Person in einer verschlossenen Wohnung zu Hilfe zu kommen, in dem sie die Tür öffneten.

Zum erneuten Einsatz eilte das KEF, um eine Ölspur zu beseitigen. Wer das »Twitter Gewitter« der Gießener Blauröcke verfolgte, erfuhr auch, dass der Dienst der hauptamtlichen Feuerwehrkräfte schon zu Hause beginnt, nämlich mit dem Schnelltest vor Dienstbeginn. Damit soll die Gefahr einer Infektion innerhalb der Wachabteilung minimiert werden.

Der Angriffstruppführer zeigte via Twitter die Einsatzkurzprüfung seines Atemschutzgerätes. Dazu dreht er die Flasche kurz auf, sie muss ganz aufgedreht sein, damit sich der Druck in den Schläuchen etwas entlassen kann. Auf 300 bar klettert das Manometer, die Restdruckwarneinrichtung muss bei 55 bar anspringen, was sich mit einem lauten Pfeifen bemerkbar macht. Der Feuerwehrmann erklärt den Zuschauern, mindestens dann sollte man aus dem Einsatz draußen sein. Sonst wird es ungemütlich und gefährlich. »Ist der Name Programm?«, fragten die Gießener Blauröcke die Kollegen der BF aus Essen und präsentierten ihr mittelhessisches Feuerwehr-Essen zur Mittagszeit: Bratwurst mit Zwiebelsoße, Kartoffeln und Rotkraut, selbst zubereitet natürlich.

»Wir haben alles gegeben und wir verabschieden uns nun in den Regelbetrieb«, teilten die Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr nach zehn Stunden »Twitter Gewitter« mit. »Uns hat es Spaß gemacht, euch hoffentlich auch«, schrieb das Media Team am Ende des Tages. Mit einem Foto des neuen Gefahrenabwehrzentrums formulierten die Feuerwehrfrauen und -männer ihre Hoffnung, dass beim »Twitter Gewitter« 2023 aus dem neuen Domizil Am Stolzenmorgen gesendet wird.

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