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Eine Tunnellösung zwischen Wettenberg und Blasbach könnte bald erneut zur Diskussion stehen.

Zeiten haben sich geändert

Zum Leserbrief »Ein Vorschlag aus den 70ern« vom 2. Dezember von Karl-Ludwig Weller: Niemand hat das Recht, sich mit einer indirekten Zustimmung für ein höchst umstrittenes und nicht mehr zeitgemäßes Projekt über den Willen der Bürger hinwegzusetzen. Wenn ein ehemaliger Kommunalpolitiker und eingefleischter CDU-Vertreter sich als einsamer Vorreiter präsentiert und die politischen Gremien unserer Kommunen auffordert, sich so schnell wie möglich für eine Autobahn-Tunnellösung durch unseren für uns so wichtigen Wald und unser Feld einzusetzen, signalisiert er damit gleichzeitig indirekt seine Zustimmung für ein Projekt, das von weiten Teilen der Bevölkerung absolut abgelehnt wird, egal ob über oder unter der Erde.

Die Zeiten haben sich tatsächlich geändert, wie wahr, wie wahr, aber in eine ganz andere Richtung, wie es uns der Verfasser glauben machen möchte, oder so wie es ihm seine politische Einstellung vorgibt. Eine naturverträgliche Autobahn existiert nur in den Köpfen ihrer Befürworter. Jede zusätzliche Autobahn bringt mehr Verkehrsaufkommen und deutlich mehr Schwerlastverkehr, macht mehr Warentransporte möglich, fördert neue Industrieansiedlungen und Logistikzentren, zerstört immer mehr wertvolle Naturlandschaften und bringt deutlich mehr CO2-Belastungen, egal ob über oder unter der Erde. Große Probleme einfach unter die Erde zu verlegen war noch nie eine gute Lösung, eher ein »Aus den Augen aus dem Sinn« und oft aus dem Notfall geboren. Vielleicht mag es ja in Kärnten unendlich viele Brücken, hoch über den Wohngebieten und auch viele Tunnels geben, was das aber mit Heuchelheim und den anderen angrenzenden Kommunen zu tun hat, bleibt wohl ein Geheimnis des Verfassers. Man stellt sich hier die Frage: Welches Ziel verfolgt dieser eigentlich, seiner Aufgabe gerecht zu werden, die Bürger und die Natur zu schützen, oder doch lieber großen Bauunternehmen und der Wirtschaft einen Gefallen zu tun? Die Kosten für den Bau hoher Brücken oder Tunnels sind extrem hoch, die Erdbewegungen und die Bauzeiten gewaltig und auch die Erhaltungs- und Folgekosten sind enorm, aber die bezahlen ja unsere nachfolgenden Generationen, darüber brauchen wir uns deshalb keine Sorgen zu machen.

Dass die vielen extrem wirtschaftsfreundlichen Politiker hier bei uns diesen Vorschlag gegen alle Widerstände in der Bevölkerung unterstützen werden, davon kann man wohl nach den Erfahrungen der letzten Jahre ausgehen. Deshalb ist es gut, dass es immer mehr Bürger gibt, die sich nicht mehr scheuen, für ihre Rechte einzutreten und so lange einen rechtmäßigen Widerstand leisten, bis solchen Plänen seitens der Politik endlich und für immer eine klare Absage erteilt wird.

Hans Werner Lenz,

Heuchelheim

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