Zufallsgenerator als Planungsinstrument

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Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Nimmt man das Krisenmanagement des Hessischen Kultusministeriums mit einer Prise Humor, die angesichts des Themas allerdings schnell in Ironie kippt, wäre das die passende Schmonzette. Denn was seit mittlerweile einem Pandemie-Jahr den Schulleitungen, Lehrern, Schülern und Eltern zugemutet wird, scheint nicht einer Strategie zu folgen, sondern einem Zufallsgenerator entsprungen.

Aber wer drückt den Knopf? Wenn ein Schüler oder eine Schülerin so ihre Hausaufgaben machen würde, wäre die Versetzung gefährdet. Die zuletzt aus der Hüfte geschossene Entscheidung, nach Homeschooling seit kurz vor Weihnachten doch noch einmal die Jahrgangsstufen 7 bis 11 vor Ostern in den Präsenzunterricht beordern zu wollen, stellt dabei den bisherigen (gefährlichen) Höhepunkt einer oft chaotisch und merkwürdig anmutenden Vorgehensweise dar. Einer Politik, die das Gespür für die Situation vermissen lässt. Seit fast einem Jahr betteln die Schulen um Luftfilter, eine Auseinandersetzung mit dem Thema überfüllter Schulbusse wird offensichtlich ausgesessen, die unzureichende digitale Ausstattung der Schulen - das ist schon fast geschenkt. Über Tipps, dass man die Fenster öffnen könne, haben Lehrer und Lehrerinnen in Schulen an vielbefahrenen Straßen schon herzhaft gelacht. Und ihr eigenes Wort nicht verstanden. Und Schulleiter verstehen ihren obersten Dienstherren auch oft nicht mehr. Wer Kinder in unterschiedlichen Jahrgangsstufen hat, kann nur verwundert den Kopf schütteln über sich ständig ändernde Vorgaben und bewundernd sich verneigen vor den Improvisationskünsten der Schulleitungen, die vor Ort gezwungen sind, die immer neuen Ideen so umzusetzen, dass sie einigermaßen funktionieren. Was dort "größtmögliche Gestaltungsfreiheit" heißt, ist da nur als Abwälzen der Verantwortung zu verstehen. Gut, dass die planlos erdachte und gesundheitsgefährdende Präsenz vor Ostern aufgehoben ist. Danach geht's wieder rein in die Kartoffeln. Aber lustig ist das schon lange nicht mehr. Rüdiger Dittrich

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