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Zuhause für 23 Studierende

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Von: Julian Spannagel

Das Studierendenwohnheim in der Gießener Friedrichstraße ist jetzt offiziell eröffnet worden. Die Baukosten belaufen sich auf 2,2 Millionen Euro. Entstanden sind auch zwei barrierefreie Appartements.

Gießen. In der Nähe des UKGM und des NaWi-Campus hat das Studentenwerk ein neues Studierendenwohnheim gebaut. In der Friedrichstraße 36 finden nun 23 Personen ein Zuhause. Die Verantwortlichen hoben die Relevanz bezahlbaren Wohnraums hervor. Das Wohnheim sei ein »Puzzlestück« in der Adressierung des allgemeinen Wohnnraummangels und jenen für Studierende.

Der AStA kritisierte die geringe Kapazität. Derzeit stehen knapp 1000 auf der Warteliste.

Drei Geschosse hat das Gebäude, insgesamt 2,2 Millionen Euro hat der Neubau gekostet. Über zwei Dutzend Vertreter der Kommunal- und Landespolitik, der Universitäten sowie des Studentenwerks haben sich vor dem vom Architekten Felix Feldmann entworfenen Gebäude versammelt. Der grau-weiße Bau, der seit Beginn dieses Semesters bereits bewohnt wird, wurde überwiegend positiv bewertet, auch wenn es sich nur um einen kleinen Schritt handelt. »Es ist auch ein Kontext von Wohnqualität, der soziales Miteinander und gegenseitige Vernetzung in einem Maß fördert, was vielleicht in größeren Häusern etwas höhere Hürden hat«, merkt etwa Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher an. Er sei mit einem kleineren Format durch die evangelische Studierendengemeinde vertraut.

Ayse Asar, Staatssekretärin des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, ließ verlauten: »Es ist auch schön, dass es eine Art häusliche Gemeinschaft ist. Was mich ganz besonders freut, dass es im Erdgeschoss zwei Einzelappartements gibt für Studierende mit eingeschränkter Mobilität.« Das Land Hessen hat das Projekt mit einem Darlehen von rund 800 000 Euro sowie einem Zuschuss über 300 000 Euro gefördert. Angesichts der momentanen Preise in der Baubranche sei dies auch nötig gewesen. Das Studentenwerk konnte den- noch für den Rest aufkommen. Es profitiert zudem von einer kostenfreien Nutzung des Grundstücks durch das Erbbaurecht.

Ebenfalls auf Zahlen griff Sebastian Weismann vom AStA, der Studierendenvertretung, zurück. Er kritisierte, dass zur Eröffnung mehr Menschen erschienen seien, als es Wohnplätze im Wohnheim »Friedrichstraße« gibt. Von diesem profitierten nur 0,1 Prozent der Studierenden. Auch den Richtwert der Politik, dass zehn Prozent in Wohnheimen einen Platz finden sollen, findet der Sprecher des AStA zu niedrig.

Abgesehen vom Erdgeschoss ist das Gebäude in WGs aufgeteilt. Insgesamt vier 4er- und eine 5er-WG finden in ihm Platz. Alles ist sehr geräumig und hell. Ralph Vogtmann, der die Gäste im Gebäude herumführte und Leiter des Qualitätsmanagements des Studentenwerks ist, hob hervor, dass die WG-Struktur beliebt sei, da sie der Einsamkeit entgegenwirke. Kulturelle Diversität nannte er zudem als Grund dafür, dass sich in jedem Zimmer ein Bad befinde, was wiederum auch Standard bei allen Neubauten und nach Möglichkeit bei Sanierungen der Studierendenwohnheimen sei.

Zudem sind die Zimmer, wie in Studierendenwohnheimen üblich, vormöbiliert. Für 20 Quadratmeter bezahlen THM- oder JLU-Studierende 368 Euro. Die größten WG-Zimmer mit 23 Quadratmetern sowie die Einzelappartements für behinderte Studierende schlagen mit 398 Euro zu Buche. Ralf Stobbe, Geschäftsführer des Studentenwerks Gießen, betonte: »Am Ende steht für uns immer die Aufgabe, dass bezahlbare Mieten herauskommen«. Für Beziehende von Bafög, welches derzeit eine Wohnpauschale von 360 Euro beinhaltet, ist damit zumindest ein Großteil der Kosten gedeckt, wenn jedoch auch nicht alles. Wohlgemerkt ist in den Mietkosten für ein Wohnheimzimmer bereits alles an Nebenkosten enthalten, selbst Internet.

Wo jetzt studentisches Leben eingekehrt ist, stand vorher ein Gebäude der Universität. Da die umliegende Gegend von Häusern mit Spitzdächern bestimmt ist, war die Konzeption des modernen Gebäudes eine Herausforderung. OB Becher freute sich, »dass sich das mit der Architektur hier in den Bereich einfügt«.

Architekt Feldmann berichtete, dass der Bau reibungslos ablief und sich niemand verletzt hat. Zudem seien der Zeitplan eingehalten und die geschätzten Kosten unterschritten worden. »Das Studierendenwohnheim Friedrichstraße ist ein weiterer, kleiner Baustein in einem Puzzle, das wir gemeinsam vervollständigen müssen«, erklärte Ralf Stobbe. Und es gibt viel zu tun: Auch dieses Semester machen Studierende wieder Gebrauch von Notunterkünften, zudem warten 960 auf einen Wohnheimplatz. Frank-Tilo Becher erwähnte, dass dies jedoch noch nicht jene, die nicht einmal versuchen, einen Platz zu bekommen, beinhalte. Weiter verwies er auf das autofreie Wohnheim »Westside« mit Platz für 351 Studierende, welches zum Wintersemester 2023/34 fertiggestellt sein soll. Zudem werde derzeit die »Philosophenhöhe« bebaut, jedoch nicht nur für Studierende. Insgesamt bleibt bezahlbares Wohnen in Gießen ein Problem.

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