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»Zum Ende des Jahrzehnts«

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In unmittelbarer Nachbarschaft des Jobcenters entsteht am Bahnhof bis 2024 die Lehrkräfteakademie. © Mosel

Kurzfristig kann die Stadt Gießen nicht auf eine Verlängerung der Fußgängerunterführung am Bahnhof hoffen.

Gießen. Seit gut zehn Jahren plant die Stadt, die Fußgängerunterführung am Bahnhof in Richtung Lahnstraße zu verlängern. Der Bau der Lehrkräfteakademie in direkter Nachbarschaft zum Jobcenter könnte jetzt die Gelegenheit sein. So einfach ist es dann aber doch nicht. Das ist am Dienstagabend im städtischen Bauausschuss deutlich geworden. »Wir hatten Gespräche mit der Bahn. Es wird nicht gelingen, die Unterführung zeitgleich mit der Lehrkräfteakademie fertigzustellen«, berichtet die mittlerweile zuständige Stadträtin Gerda Weigel-Greilich.

Dass der Fußgängertunnel deutlich später fertig werden könnte, liegt scheinbar nicht an der Deutschen Bahn. Das ergibt sich aus einem Schreiben, das der Magistrat dem Ausschuss vorgelegt hat. »Zum Thema Lehrerakademie stehen wir mit der Stadt Gießen bereits seit Langem im regen Austausch, in der Hauptsache wegen Grundstücksfragen. Von daher freue ich mich sehr, dass das Land sich nunmehr für Gießen als neuen Standort entschieden hat, was für die Stadt eine große Chance sein wird. Die nun doch von der Stadt erwogene Verlängerung der Personenunterführung hat in den erwähnten Gesprächen keine vordringliche Rolle gespielt«, schreibt Dr. Klaus Vornhusen, Konzernbevollmächtigter der Bahn für das Land Hessen.

Projekt nicht angemeldet

Das Vorhaben finde sich nicht in der neuen Rahmenvereinbarung »Bahnhofsmodernisierungsprogramm Hessen« des hessischen Wirtschaftsministeriums mit der Deutschen Bahn und den hessischen Verkehrsverbünden, die erst am 20. November unterzeichnet worden sei. »In dieser Rahmenvereinbarung sind vor dem Hintergrund eines gemeinsamen Budgets von 580 Millionen Euro bis 2030 die zeitlichen Prioritäten und Finanzierungsstrukturen für die Modernisierung und barrierefreie Erschließung von rund 120 hessischen Verkehrsstationen dokumentiert«, erläutert Vornhusen. Zwar gebe es immer einen gewissen Spielraum bei der langfristigen Umsetzung einer solchen Prioritätenliste. »Es ist allerdings wichtig, sich klarzumachen, dass für das Projekt Personenunterführung am Bahnhof Gießen bisher wohl keine finanziellen Ressourcen beim Land Hessen reserviert wurden und ebenso wenig personelle Ressourcen bei der Deutschen Bahn. Beides muss nun in gegenseitiger Abstimmung nachgeholt werden, was sicherlich einige Zeit kosten wird«, so der Bevollmächtigte. Die Bahn werde im Rahmen ihrer Möglichkeiten jedoch alles unternehmen, um das Projekt zügig umzusetzen. Es müsse jedoch Einigkeit zwischen Bahn und Stadt bei einigen Punkten geben. Dazu zählt, dass sich die Stadt um die Finanzierung der gesamten Maßnahme samt Planung kümmern müsse. Die Bahn vermute, dass die Stadt eine Förderung beim Land erwirken könne. Das Unternehmen stehe hierbei gern unterstützend zur Verfügung. Wegen der fehlenden Voranmeldung des Projekts über die Rahmenvereinbarung Bahnhofsmodernisierungsprogramm Hessen stünden bei der DB kurzfristig keine personellen Ressourcen für die Projektleitung bei der Planung der Personenunterführung zur Verfügung. Planungsbeginn könne deshalb voraussichtlich erst im Herbst 2023 sein.

Eine Beschleunigung sei möglich, wenn die Stadt die Planung selbst in die Hand nehme. Als realistische Dauer für diese Arbeitsschritte nennt Vornhusen einen Zeitraum von etwa fünfeinhalb Jahren. »Für das Projekt wird mit einer Dauer für die bauliche Umsetzung von circa einem Jahr gerechnet, so dass heute die Inbetriebnahme der Personenunterführung zum Ende des Jahrzehnts plausibel erscheint. In der Zeit zwischen Inbetriebnahme der Lehrerakademie und Fertigstellung der Personenunterführung werden die Besucher derselben den bereits bestehenden Personensteg zwischen dem lahnseitigen Parkhaus und dem Bahnhof nutzen können«, resümiert Vornhusen.

Wohin mit der Lehrkräfteakademie? Nichts ist entschieden, als der ehemalige Bürgermeister Peter Neidel 2021 den Bebauungsplan »Am Güterbahnhof II« einbringt. Die neue Koalition bremst: »Die konkreten Planungen für die Unterführung werden mit höchster Priorität vorangetrieben. Vor der Beschlussfassung über den Bebauungsplan muss Einvernehmen mit der Bahn über den Bau der Unterführung hergestellt werden.« Stadträtin Gerda Weigel-Greilich hat bereits an einem Gespräch mit der Bahn teilgenommen - der zuständige Neidel war offenbar gar nicht informiert. Andersherum berichtet die Bahn, dass die Unterführung bei den Gesprächen zur Lehrkräfteakademie keine besondere Rolle gespielt hat. Kostspieliger Zoff der alten Koalitionäre à la Rathenaustraße, bei der die Partner in Sachen Tempolimit unterschiedlicher Auffassung waren? Das ist zu klären. Klar ist, dass es für die Stadt nun deutlich teurer werden könnte und Jahre nach Fertigstellung der Akademie erneut ein tiefes Loch im Boden gegraben werden müsste. Stephan Scholz

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