+
Warten auf das Ergebnis: Die Eltern entscheiden, ob sie ihr Kind vor dem Kita-Besuch testen. Symbolfoto: dpa

Corona-Tests

»Zunehmende Sorge« um die Kinder

In den Gießener Kitas gibt es keine einheitliche Corona-Teststrategie. Die Träger stehen vor der Frage, wie Lolli-Tests kostenlos bereitgestellt werden können. Das Land zahlt nur die Hälfte der Kosten.

Gießen. In den Herbst- und Wintermonaten sind in den Kindertagesstätten auch ohne Pandemie etliche Schnupfnasen unterwegs. Abstand halten ist kaum möglich. Zu sehr sind die Jüngsten auf den engen Kontakt mit Erzieherinnen und Erziehern angewiesen. Dazu kommt die Nähe zu den Spielkameraden, Bauklötze, Autos oder Tierfiguren wandern Tag für Tag durch viele Kinderhände. In Zeiten, in denen Kontaktvermeidung und 2G-Nachweis Begriffe der Stunde sind, wirkt dies wie eine Art Parallelwelt. Corona-Impfungen für Kinder im Krippen- oder Kindergartenalter stehen weiterhin größtenteils aus. In der Folge steigt die Inzidenz in der jungen Bevölkerungsgruppe rasant an - Eltern und Fachleute warnten medienwirksam mehrfach vor einer drohenden »Durchseuchung«. Das Land Hessen hat zuletzt ein aktualisiertes Hygienekonzept vorgelegt und die Zahl der für Kita-Kinder bereitgestellten, freiwilligen Tests auf drei pro Woche erhöht. Eine einheitliche Teststrategie ist weiterhin nicht vorgesehen. In Gießen entscheiden die jeweiligen Träger selbstständig über die Durchführung sogenannter - wenig invasiver - Lolli-Tests. Laut Jugenddezernentin Gerda Weigel-Greilich soll dies auch so bleiben. Die Träger sehen sich indes mit der Finanzierungsfrage konfrontiert. Denn die Landesregierung übernimmt nur 50 Prozent der Kosten.

Bislang »Glück gehabt«

Erst Ende November hatte ein entsprechender Antrag der Fraktion Gigg/Volt keine Mehrheit im Stadtparlament erhalten. Somit wird es in Gießen keine stadtweite Regelung zum Testen auf Corona in den Kindertagesstätten geben. Mit einer von oben verfügten Test-Strategie würde den Einrichtungen kein Gefallen getan, gab Weigel-Greilich in diesem Kontext zu bedenken. Und an einer rechtlichen Grundlage für das Testen in den Kitas fehle es ohnehin. »Insgesamt wägen wir immer wieder gemeinsam mit den Leitungen ab, welche Maßnahmen wo sinnvoll sind und was für die Mitarbeitenden, Kinder und Eltern tragbar ist«, teilt Stadtsprecherin Claudia Boje ergänzend mit. Bislang habe man in dieser Phase der Pandemie mit nur wenigen Ausbrüchen »Glück gehabt«.

Kritisch äußern sich Marc Gibcke und Sabine Teich als Geschäftsführer der Kitas des Evangelischen Dekanats. »In Anbetracht der derzeitigen Lage der Pandemie haben wir tatsächlich eine zunehmende Sorge um die Gesundheit der von uns betreuten Kinder und deren Familien, aber natürlich auch unseres Personals«, heißt es in einer gemeinsamen schriftlichen Stellungnahme. Im Vergleich zu den Sommermonaten komme es wieder häufiger zu Corona-Ausbrüchen, sowohl bei Kindern, Eltern, aber auch bei vollständig geimpftem Personal.

Aus der Elternschaft gebe es momentan vermehrt Anfragen. Die Meinungen gingen dabei allerdings weit auseinander. »Viele wünschen oder fordern die Tests, andere lehnen sie strikt ab.« Aus Sicht der Dekanats-Verantwortlichen würde eine Testung der Kinder - und sei sie eben freiwillig und unvollständig - dazu beitragen, ein klareres Bild zu erhalten und so manche Erkrankung frühzeitig erkennen und die Weiterverbreitung eindämmen zu können. Fraglich ist allerdings, wie die kostenlose Ausgabe der Tests an die Familien überhaupt gestemmt werden soll. Denn »die konkreten Entscheidungen, ob überhaupt Tests angeboten werden, welche es sind und wie die Finanzierung läuft, soll von den Kommunen vor Ort getroffen werden«.

Ebenso soll die Hälfte der Kosten zulasten der Haushalte der jeweiligen Kommunen gehen. Für Gibcke und Teich eine suboptimale Lösung: »Durch dieses System fehlt es unseres Erachtens in Hessen an einem gemeinsam abgestimmten Vorgehen im Sinne des Schutzes der Kinder und Familien, welches nicht von der jeweiligen finanziellen Situationen der ohnehin schon stark belasteten Kommunen abhängt.« Die Kita-Geschäftsführer rechnen vor, dass bei einer wöchentlichen Testung bei derzeit 1400 Familien in den evangelischen Kitas schnell Kosten in Höhe von mehreren Tausend Euro zusammenkommen. Demnach wäre sinnvoll, »wenn das Land Hessen Lolli-Tests für die Kinder vollkommen kostenfrei und flächendeckend zur Verfügung stellen würde«. Einer Testung durch das Personal stehen Gibcke und Teich skeptisch gegenüber. »Jedoch könnten die Eltern ihre Kinder regelmäßig zuhause testen.«

»Nur vereinzelte« Infektionen

Ähnlich äußert sich auch Gaby Nickel für die Einrichtungen unter Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt (Awo). »Wir sind gegen verpflichtende Testungen von Kindern - schon gar nicht durch das pädagogische Personal - allerdings wäre es hilfreich, wenn das Land Hessen den Einrichtungen Lolli-Tests zur Weitergabe an die Eltern zur Verfügung stellen würde.« Seit dem Frühjahr seien die Awo-Kitas nun von Covid-Ausbrüchen verschont geblieben, wohl dank der immer noch greifenden Schutzmaßnahmen »und auch etwas Glück gehört dazu«.

Astrid Wichert, Bereichsleiterin für die Kitas und Familienzentren der Caritas, berichtet von »nur vereinzelten« Corona-Infektionen. Eine einheitliche Teststrategie des Landes würde die Caritas mittragen. Wichert sieht aktuell allerdings die Eltern in der Verantwortung. Sie seien »aufgefordert, ihr Kind nach Krankheit nur mit einem negativen Test wieder in die Kita zu bringen.« Auch in der Kita unter der Trägerschaft des DRK-Kreisverbands Gießen-Marburg hat es bislang keine Corona-Infektionen in dem Ausmaß gegeben, »dass man von Ausbrüchen reden könnte«, so Pressesprecher Heiko Krause. Zur politischen Debatte um verpflichtende Lolli-Tests wollte man sich hier nicht äußern.

Das könnte Sie auch interessieren