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Zur Not auch mal Prinzessin

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Ein bestens aufgelegtes Team im Gießener Bühnen-Waschsalon: die Comedians Laura Brümmer, Jochen Prang, Bora und Nektarious Vlachopoulos. Foto: Czernek © Czernek

Night-Wash in der Kongresshalle: Die Stand-up-Reihe bot diesmal vier blendend aufgelegte Gäste, die sich auch über ihre Zweit- und Drittberufe austauschten.

Gießen . Night-Wash ist Kult. Die Stand-up-Comedy-Reihe bot diesmal Nektarious Vlachopoulos, Jochen Prang und Laura Brümmer in der Kongresshalle auf, die sich unverbraucht, witzig und überraschend präsentierten. Als Moderator fungierte ein bestens gelaunter Bora, der die Sympathien durch seine coolen Sprüche, gepaart mit einer gehörigen Portion Selbstironie, gewann. Lage hatte das Publikum auf dieses Ereignis gewartet. Nach rund zweieinhalb Jahren und gefühlt unendlichen Versuchen war es am Sonntagabend endlich soweit: »Night Wash live«, eröffnete seinen Comedy-Waschsalon voller bissiger Anekdoten und Geschichten in Gießen.

Zweitberufe der Comedians

Die Pandemiezeit hat ihre Spuren hinterlassen, gerade bei den Künstlern. Sie wurden häuslich, bekamen Kinder oder mussten sich auf einmal den Tücken des Alltags stellen. Wie Jochen Prang: Er ist mittlerweile zweifacher Vater - und schon ist es aus mit seiner Liebe zur Musik. »Früher gab es zwei Richtungen: HipHop und Punk. Ich war Punk.« Doch damit ist jetzt Schluss, stattdessen gibt’s sinnige Kinderlieder wie »Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad«. Blöd nur, dass er bei der Geburt seine Frau gefragt hatte: »Liebling, dauert es noch lang?« Seitdem macht er den Haushalt.

Da man eben von dem Beruf des Comedians nur schwer leben kann, plauderten die Gäste denn auch von ihren Zweit- und Drittberufen. Prang verdingt sich zudem als Hochzeits-DJ, um den angeblich schönsten Tag des Pärchens zu versauen. Laura Brümmer ist eigentlich Musicaldarstellerin. Ein Beruf, den sie liebt. Allerdings wusste sie vorher nicht, dass ihre Rollen eigentlich immer Prostituierte verkörpern, mit entsprechend kurzen Kostümen. »Was glauben Sie, wie man Vater, der meine Ausbildung finanzierte, schaute, als ich im entsprechenden Outfit und den passenden Posen direkt vor ihm saß?!« Auch weitere Profirollen, wie die einer Prinzessin bei Kindergeburtstagen, erwiesen sich als schwieriger als erwartet: »Ich dachte, ich sollte die Kinder bespaßen - und nicht deren Väter.«

Der schönste Grieche unter den deutschen Slam-Poeten ist ohne Zweifel Nektarious Vlachopoulos, der herrlich über missglückte Dates und Ex-Freundinnen herziehen kann. Wer ihn übrigens mit seinem gesamten Bühnenprogamm sehen will, der sollte sich den 14. Juli vormerken: Da tritt er im Lottehof im Rahmen der Wetzlarer Festspiele auf.

Moderiert wurde die Show von Bora (alias Bora-Ahmet Altun), der türkisch-deutschen Dampfwalze unter den Comedians. Charmant und witzig frotzelte er stetig über sich selbst und seine vergeblichen Bemühungen, einige Pfunde loszuwerden. »Ich habe 26 Kilo abgenommen, dann wieder 10 Kilo zugenommen, doch das zählt nicht«. Gnadenlos war darob sein Urteil über Light-Getränke: »Ist Euch schon mal aufgefallen, dass alle, die dick sind, Cola light oder Zero trinken? Das ist so, wie wenn man geblitzt wird und anschließend langsamer fährt: Dann ist es zu spät«.

Ob Yoga, Fitnessstudio oder die Unwegsamkeiten der deutschen Bürokratie versus der türkischen Mentalität: Er bringt Absurditäten sympathisch auf den Punkt. Bestens gelaunt bezog er das Publikum mit in seine Performance ein. Doch Vorsicht: Man kann dabei auch schnell zur Zielscheibe werden: Pech hatte ein Zuschauer, dessen Handy nach der Pause klingelte. Da ging Bora selbst dran, hielt das Mikro ans Telefon und sprach munter mit dem etwas sprachlosen Bruder des Zuschauers. Zur Belohnung für diese ungewollte Öffentlichkeit lud er alle in seine nächste Show ein.

Fazit: Die Comedians zeigten sich angetan von dem begeisterungsfähigen jungen Publikum in Gießen, das hungrig auf die Späße und gelegentlichen Zoten der Künstler war. Und wieder einmal zeigte sich: Stand-up-Comedy muss man erleben, dann liebt man sie.

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