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Zwei Pilotprojekte vorgestellt

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Absichtserklärung unterzeichnet (v.l.): Alexander Goesmann (Vizepräsident für wissenschaftliche Infrastruktur der JLU), Evelyn Korn (Vizepräsidentin für Universitätskultur, Philipps-Universität), Matthias Willems (Präsident der THM) und Digitalministerin Kristina Sinemus. Foto: Spannagel © Spannagel

Mit der Unterzeichnung einer Absichtserklärung unter Beteiligung von THM, JLU und der Philipps-Universität wurde ein Schritt zum Vorantreiben der Digitalisierung im Bereich Gesundheit gemacht.

Gießen . Mit der Unterzeichnung einer Absichtserklärung zur »Praxispilotierung von Forschungsprojekten im Bereich E-Health und Künstliche Intelligenz in der Medizin« durch die Digitalministerin Prof. Kristina Sinemus, das Kompetenzzentrum für Telemedizin und E-Health Hessen (KTE) sowie den Forschungscampus Mittelhessen, unter Beteiligung von THM, JLU und der Marburger Philipps-Universität wurde ein Schritt zum Vorantreiben der Digitalisierung im Bereich Gesundheit gemacht. Zwei Pilotprojekte der gastgebenden THM sind zudem vorgestellt worden.

Zusammenarbeit intensivieren

Die Anwendungen technologischer Hilfsmittel in der Medizin sind mannigfaltig, doch an der Implementierung hakt es derzeit noch. Die Unterzeichnung der Absichtserklärung soll von nun an den Weg von Forschungsprojekten bis hin zum konkreten medizinischen Mehrwert für Patienten erleichtern. Die beteiligten Akteure wollen ihre Zusammenarbeit intensivieren, damit eine Schnittstelle zwischen Forschungsprojekten, niedergelassenen Akteuren und beteiligten Patientengruppen entsteht.

Patienten nutzen bereits viele digitale Angebote, zum Beispiel neuropsychosomatische Apps. Nadine Mattes greift auf derartige Hilfsmittel aufgrund ihrer Parkinson-Erkrankung zurück. Von zukünftigen Angeboten wünscht sie sich einen positiven Einfluss auf ihre Lebensqualität. Dr. med Franziska Thielen stellte eine geplante App vor, mit der etwa der Tremor, also das krankheitstypische Zittern, gemessen werden kann. Auch kognitive Test, Tipps für das Selbstmanagement und die Kontaktaufnahme zu den Behandelnden sollen möglich sein, so die Ärztin der Klinik für Neurologie in Marburg. Keywan Sorabi, Professor für Medizininformatik an der THM, ergänzte, dass dabei die Sicherheit und Verlässlichkeit der Daten im Vordergrund stehen sollen. Prof. Dr. Lars Timmermann, ebenfalls Neurologe aus Marburg, betonte zudem den Nutzen der Datenverfügbarkeit: »Damit können wir die Wirksamkeit von Behandlungsmethoden überprüfen«. Auch eine verbesserte individuelle Medikation sowie die Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) bei Behandlungsentscheidungen seien möglich.

Weiter potenziell hilfreich ist digitale Infrastruktur auch für Eltern von Säuglingen. Die beiden THM-Doktoranden Niklas Köhler und Marcel Geis stellten ein Messinstrument für Parameter wie die Herzfrequenz sowie eine simultane Kameraüberwachung vor, die Eltern zukünftig den Alltag erleichtern sollen. In einer App lassen sich alle erfassten Informationen auslesen, zudem können Eltern subjektive Eindrücke über den Zustand ihres Kindes dokumentieren. Die zentrale Schnittstelle ist ein individualisierter QR-Code, über welchen es wiederum für die Ärzte ersichtlich ist, wie es um dessen Gesundheit steht. Interessant ist hierbei, wie auch bei der Vermessung von Parkinson, dass Langzeitdaten erfasst werden. Diese erweitern ärztliches Wissen und Eingriffsmöglichkeiten.

Doch auch die Eltern können durch die Überwachung beruhigter schlafen. »Das bringt viel Entspannung ins Familienleben«, so Katrin Weiland, die Mutter von zwei Kindern ist. Sie geht außerdem davon aus, dass Kindern besser und schneller geholfen werden könne und hob weiterhin hervor, dass auch Sprachbarrieren durch die Zahlensprache überwunden werden können. Aus ihrer beruflichen Erfahrung im Bereich Frühförderung weiß sie, dass die Kommunikation für manche Eltern schwierig ist. Und auch sie selbst weiß keine Antwort, wenn der Arzt etwa wissen wolle, wie oft denn nun das Kind in der Nacht gehustet habe. Das vorgestellte Projekt befindet sich derzeit noch in der klinischen Phase.

Die Digitalministerin Sinemus betonte darüber hinaus, dass die Pilotprojekte zwar in Hessen gestartet werden, einer Verbreitung der entwickelten Technologie jedoch auch über die Region hinaus nichts im Weg stünde. »Alle, die es nutzen wollen, sollen es bitte nutzen«, so erklärt sie.

Bedarf gibt es jedenfalls: Weder kann Parkinson geheilt werden, noch sind Nutzende verbreiteter »Babyphones« vor Fehlalarmen gefeit. Für weitere Projekte ist durch die unterzeichnete Absichtserklärung nun die Voraussetzung geschaffen.

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Die Doktoranden Niklas Köhler (l.) und Marcel Geis demonstrieren ein Beatmungsgerät mit der Tauglichkeit der Messung der Herzfrequenz. Foto: Spannagel © Spannagel

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