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Zweitwohnsitz für »an.ge.kommen«

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Neue Räume im ZiBB: »an.ge.kommen« ist nun auch in Gießen-Ost zu Hause. Foto: Pfeiffer © Pfeiffer

Der Verein bezieht neue Räume in Gießen-Ost. Ziel ist auch, die Lebensbedingungen in der»teils marginalisierten Nachbarschaft« zu verbessern

Gießen . Seit fast genau sieben Jahren unterstützt der Verein »an.ge.kommen« Geflüchtete und Migranten dabei, sich in Gießen zurechtzufinden. Am Anfang arbeiteten die Freiwilligen »überall da, wo wir ein Plätzchen finden konnten«, erinnert sich Sarah Kempf. Mittlerweile hat der Verein gleich zwei feste Standorte in Gießen: Seit 2019 zentral in der Walltorstraße und seit Februar im Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung (ZiBB) in der Oststadt. Der »Zweitwohnsitz« in der Hannah-Arendt-Straße ist gewissermaßen auch eine Rückkehr, denn vor dem Umzug in die Walltorstraße hatte »an.ge.kommen« sein Büro zwei Jahre lang an der Sophie-Scholl-Schule. Sarah Kempf, einzige hauptamtliche Mitarbeiterin im Verein, ist zudem für die Gemeinwesenarbeit in Gießen-Ost zuständig, um gemeinsam mit den Bewohnern deren Lebensbedingungen zu verbessern.

»Das ist teils eine sehr marginalisierte Nachbarschaft hier«, sagt Kempf beim Ortsbesuch in den neuen Räumen. Erst im vergangenen Jahr hatte sich der Verein auf die Suche gemacht, um für rund 150 Oststadtbewohner - überwiegend Geflüchtete - eine neue Bleibe zu finden. Zuvor war das Gebiet um das ehemalige Kellertheater entmietet worden, um Platz für neue Gebäude zu schaffen. Um die Wohnungen sei es nicht schade gewesen, findet Kempf. Diese seien in einem sehr schlechten Zustand gewesen und hätten teils wie Gemeinschaftsunterkünfte gewirkt.

Spagat zwischen Walltorstraße und Oststadt

Aber wie sollte man auf dem ohnehin umkämpften Wohnungsmarkt ein neues Zuhause für die gekündigten Mieter finden? »Das war eine aufwühlende und sehr stressige Zeit. Teils schien die Hoffnung verloren.« Zusammen mit Stadt und Wohnbau habe man den Großteil der Menschen aber in neuen Wohnungen unterbringen können, einzelne würden jedoch noch immer bei Freunden wohnen.

Seit dem Umzug in die Walltorstraße 2019 habe man einen »Spagat« gemacht zwischen der Innenstadt und Gießen-Ost. »Das hat auch gut geklappt«, sagt Kempf, schließlich sei die Arbeit des Vereins nicht auf einen Teil der Stadt eingegrenzt, die Walltorstraße zentral und gut zu erreichen. Mit den neuen Räumen im ZiBB wollen Kempf und ihre Mitstreiter aber neue Strukturen für die Gemeinwesenarbeit rund um die Rödgener Straße aufbauen.

Um herauszufinden, welche Sorgen oder Fragen die neuen Nachbarn haben, will Kempf das Gespräch mit ihnen suchen: Immer mittwochs ab 17 Uhr findet im ZiBB ein offener Treff statt, »Wir wollen ihnen nicht einfach irgendwelche Angebote aufdrücken, ohne zu wissen, welche Bedarfe es gibt.« Feste Kurse gibt es aber trotzdem bereits: Zweimal wöchentlich bietet »an.ge.kommen« im ZiBB derzeit einen Deutschkurs an. Dieser richtet sich vor allem an Menschen, die gerade erst in Deutschland angekommen sind und schnell die ersten Sätze lernen wollen. Teilnehmen kann jeder, derzeit seien es vor allem Ukrainer, die die »Crashkurse« absolvieren.

»Offen für alle«

»an.ge.kommen« versteht sich aber nicht nur als Anlaufstelle für Geflüchtete, auch wenn die regelmäßigen Sprachkurse oder die Begleitung bei Behördengängen auf die Neuangekommenen abzielt. »Wir sind offen für alle«, betont Kempf. Veranstaltungen wie Kochabende, Wandertage oder die Kräuterakademie sollen Raum für Begegnung schaffen und die Menschen zusammenbringen, ungeachtet ihrer Herkunft.

Die Vereinsarbeit nun an zwei Standorten zu stemmen, sei aber gar nicht so leicht, gibt die Projektleiterin für die Gemeinwesenarbeit zu bedenken. Schließlich würden nicht nur diejenigen, die das Angebot des Vereins nutzen, sondern auch die Ehrenamtlichen »an.ge.kommen« mit der Walltorstraße verbinden - und ohne sie »geht hier nichts«. Nun müsse man dafür sorgen, dass auch die neuen Räume im ZiBB als ein Teil von »an.ge.kommen« wahrgenommen werden, damit zwischen beiden Standorten ein reger Austausch entsteht. Foto: Kempf

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