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Zwischen Alltag und Zauberwelten

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Von: Dagmar Klein

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Barocke Perlen: die Zwillinge Ifigeneia und Ariadni Toumpeki entführten das Publikum tänzerisch in ein Zauberland. Foto: Rolf K. Wegst © Rolf K. Wegst

Gießen. Das TanzArt Ostwest-Festival startete vor Pfingsten durch. Dazu zählten zwei Abende auf der taT-Studiobühne am Freitag und noch eine Spätvorstellung am Samstag nach der letzten Aufführung von »Mond Morgen«, dem letzten Tanzstück des scheidenden Ballettdirektors Tarek Assam in Gießen.

Beim ersten Studiobühnenabend stellten Gewinner internationaler Tanzwettwerbe ihr Können vor. Sara Verrochio erkundete die tänzerischen Möglichkeiten ihres Körpers mit Leichtigkeit und guter Laune, ein Luftspagat folgte auf den nächsten. Frederico Rubisse und Denise Martignon aus dem norditalienischen Veneto zeigten Soli, beide choreografiert von Matteo Zamperin, der auf die je besonderen Körperausdrucksmöglichkeiten der beiden hervorhebt. Dann ein weibliches Duo, das die Bedeutung von Kleidung für das Selbstbewusstsein darstellt. Eine von ihnen (Arianna Bianchini) beeindruckte zudem mit dem Solo »Slamina«, in dem sie sich von Fauch- und Zisch-Geräuschen lenken ließ, diese ebenso lässig wie ausdrucksstark in Bewegung umsetzte.

Das Duo Noemi della Vecchia und Matteo Vignali beüberzeugte mit einem Tanzstück über Alltäglichkeiten: Wachwerden, Wasserrauschen, Duschen, Frühstück und sich mit dem verschlafenen Gegenüber auseinandersetzen. Das Einander-Näherkommen geschah in ungewohnter Direktheit. Die Zwillinge Ifigeneia und Ariadni Toumpeki hingegen entführten in ein Zauberland: Sie erschienen als kriechende Wesen mit netzverhülltem Kopf, der wunderschöne Barockgesang von Bobby McFerrin verhalf ihnen zum aufrechten Gang.

In der Spätvorstellung zeigte Agnieszka Jachym, Mitglied der Tanzcompagnie Gießen von 2014 bis 2017, ihr überaus trauriges Solo »Naj«. Paul Julius, der schon oft in Gießen gastierte, 2021 Mitbegründer der Japan Contemporary Dance Company war und deren Leiter ist, kam mit zwei Tänzerinnen, die ein abstraktes Stück zeigten, das gekonnt zwischen Neoklassik und Contemporary changiert. Einen höchst energiegeladenen Abschluss boten Melodia Garcia und Salvador Rocher von der Cia. Marroch aus Südspanien. Die beiden adaptieren Breakdance in ihr Stück »Entre Nosotros« (Unter uns) und wetteiferten gut gelaunt in schwierigsten Balance- und Hebefiguren. Und zwar gegenseitig, Frauen agieren mittlerweile gleichberechtigt.

Die Spätvorstellung am Samstag war zwei italienischen Gruppen vorbehalten. Die vierköpfige Cia. Concorda schwelgte in Barockmusik, die Darstellung von Alltäglichkeiten endete in einem Tischgelage-Standbild mit Fruchtkorb. Die fünfköpfige Cia. Atacama war auf der Suche nach dem »Tanz der Realität«. Einer war ununterbrochen am Laufen, ließ sich von keiner Intervention davon abbringen. Irgendwann erhielten dann auch die anderen ausreichend Raum zur Entfaltung. Eine stimmige und abwechslungsreiche Choreografie (Patrizia Cavola, Ivan Truol).

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