Milliarden-Markt

Ampel macht Weg für Cannabis-Legalisierung frei: Welche Firmen von der Freigabe profitieren könnten

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Die beschlossene Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken hat vielerorts Goldgräberstimmung ausgelöst. Doch wer am Ende profitieren wird, hängt von der künftigen Gesetzgebung ab.

München - Es sind nur zwei Sätze im Gesundheits-Papier der Ampelkoalitionäre*. Doch sie werden einen Milliardenmarkt in Deutschland entstehen, vielmehr legal werden lassen: Cannabis zu Genusszwecken. Als Medizin ist Hanf in Deutschland seit 2017 zugelassen. Künftig will die Bundesrepublik es auch für Genuss freigeben. Vorgesehen ist eine kontrollierte Abgabe durch lizenzierte Geschäfte. So will die Ampelkoalition sicherstellen, dass die Qualität stimmt, die Produkte nicht verunreinigt sind und der Jugendschutz gewährleistet ist.

Ob der Stoff künftig nur in Apotheken zu bekommen ist oder auch in Kneipen, beim Tabakhändler und sogar im Supermarktregal, ist noch offen, wie vieles andere auch. Der Markt ist riesig: Der Deutsche Hanfverband (DHV) schätzt die derzeit illegal konsumierte Menge auf jährlich 200 bis 400 Tonnen, was einem Wert von ungefähr 1,2 bis 2,5 Milliarden Euro entspricht. Dagegen ist der legale Markt für Medizinalcannabis mit geschätzt 12,5 Tonnen im Jahr 2021 eher übersichtlich.

Doch wer hier schon tätig ist, hat einen deutlichen Vorteil im legalisierten Genussmarkt. So sehen es jedenfalls Benedikt und Jakob Sons, Gründer und Geschäftsführer des Cannabis-Großhändlers Cansativa. Das Unternehmen beliefert Ärzte und Apotheker mit Medizinalcannabis. Der Marktanteil liegt hier nach eigenen Angaben bei 20 bis 25 Prozent.

Cannabis-Legalisierung: Harte Konkurrenz

Die Konkurrenz ist groß: 87 Unternehmen haben eine Importlizenz für medizinisches Cannabis, nicht alle sind aber bereits tätig. Anfang des Jahres konnten sich die Hessen einen strategischen Großauftrag sichern: Die Cannabisagentur des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte wählte es als exklusiven Großhändler für das in Deutschland legal angebaute Cannabis. Vier Jahre lang dürfen drei Unternehmen mit Lizenz der Cannabisagentur jährlich 2,6 Tonnen liefern, vertrieben über Cansativa.

Doch wer die weit größere Nachfrage nach Genuss-Hanf bedienen soll, ist für Georg Wurth, Sprecher des Deutschen Hanfverbandes, noch völlig offen. Denn im Falle einer Legalisierung sei der deutsche Markt ganz auf die Produktion angewiesen: „International darf nur medizinisches Cannabis gehandelt werden“, erklärt Wurth. Wer die begehrte Versorgung mit Genuss-Marihuana übernimmt, hängt für Würth vom Gesetzgeber ab: „Wenn die Lizenzen günstig und leicht zu bekommen sind, kann ich mir vorstellen, dass viele kleine Betriebe eröffnen und ein bunter Markt entsteht.“

Um jedoch strenge Auflagen zu erfüllen, brauche es Kapital: „Da könnten dann zum Beispiel die großen Tabakkonzerne die Lücke füllen“, sagt Wurth. Der DHV spricht sich für möglichst niedrige Hürden bei der Lizenzierung aus, „damit auch kleine Biobauern am Markt teilnehmen können.“

Cannabis-Legalisierung: Markt wird sich weiter auffächern

Wurth rechnet fest mit neuen Produzenten, da Medizinalcannabis für den Freizeitmarkt unrentabel sei: „In Deutschland gibt es bisher drei lizenzierte Hersteller von medizinischem Cannabis, von denen aber nur einer liefern kann.“ Denn die Bedingungen für die Produktion seien streng: „Bisher muss das Cannabis unter Tageslichtlampen hinter dicken Betonwänden angebaut werden – für ein Konsumprodukt ist das ökologischer und ökonomischer Unsinn“, so Wurth.

Denn Hanfpflanzen gedeihen in Deutschland auch im Freien. „Außerdem kostet die Untersuchung durch die Labore viel Geld, was für ein Genussmittel überflüssig ist.“ Denn Cannabis sei wie Wein ein Naturprodukt und leicht schwankende Wirkstoffmengen deshalb im Freizeitgebrauch kein Problem.

Cannabis-Legalisierung: Gut 28.000 neue Jobs

Gleich wer das Vakuum füllt: Es werden in relevantem Umfang Arbeitsplätze entstehen, wie der Ökonom Justus Haucap in einer viel beachteten Studie für den DHV festgestellt hat. Dafür hat er die geschätzte Konsummenge in Deutschland auf die pro Tonne benötigte Logistik in Colorado umgelegt. Der US-Bundesstaat hatte Marihuana 2014 als erstes legalisiert. Um den deutschen Bedarf zu decken, bräuchte es demnach 27.600 zusätzliche Arbeitsplätze, die gemeinsam über 1,3 Milliarden Euro an Lohneinkommen erwirtschaften könnten.

Für seine Berechnungen hat Haucap einen Bruttoverkaufspreis von 10 Euro pro Gramm Cannabis veranschlagt, was in etwa den Straßenpreisen entspricht. Besonders betont Haucap den gesellschaftlichen Nutzen: Durch die Legalisierung seien jedes Jahr über 4,7 Milliarden Euro Mehreinnahmen für den Staat möglich. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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