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Um Energie zu sparen: Rentnerinnen und Rentner sollen auf Mallorca überwintern

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Wegen des drohenden Gas-Lieferstopps aus Russland sollen Rentnerinnen und Rentner die Wintermonate auf Mallorca verbringen – um Energie zu sparen. 

Palma de Mallorca – Das Öl-Embargo der EU und der damit drohende Lieferstopp für russisches Gas treibt die Energiekosten nach oben. Spätestens, wenn der Winter vor der Tür steht, wird das zum Problem. Um Gas zu sparen, hat die Vorsitzende des Verbandes unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR), Marija Linnhoff, einen ungewöhnlichen Vorschlag gemacht.

Senioren und Seniorinnen könnten die Wintermonate in wärmeren Ländern verbringen, berichtet die Mallorca Zeitung. Sie schlug einen längeren Urlaub in der Türkei, auf Mallorca oder in Tunesien vor. So würde in Deutschland Energie gespart werden. Viele Menschen in Rente würden ohnehin den Winter schon jetzt auf Mallorca verbringen. Ein weiterer Vorschlag: Der Langzeiturlaub soll vom Staat bezuschusst werden.

Angesichts des Entlastungspakets der Bundesregierung wegen der gestiegenen Energiekosten sei solch ein Zuschuss sinnvoll. Denn die Energiepreispauschale von 300 Euro bekommen nur einkommensteuerpflichtige Personen – wie Rentnerinnen und Rentner trotzdem von der Energiepreispauschale profitieren, verriet CDU-Finanzexpertin Antje Tillmann. Eine Pauschale für einen längeren Urlaub soll laut Linnhoff dabei helfen, die Reise zu finanzieren und die Gas-Reserven in Deutschland schonen.

Überwintern in der Türkei, Tunesien oder auf Mallorca: Das sollen Rentner tun, um Energie zu sparen.
Überwintern in der Türkei, Tunesien oder auf Mallorca: Das sollen Rentner tun, um Energie zu sparen. © John-Patrick Morarescu/dpa

Rentnerinnen und Rentner sollen auf Mallorca überwintern: Zuschuss für eine Langzeitreise würde helfen

Der Einstiegspreis für eine 50-tägige Reise nach Mallorca läge derzeit bei etwa 1300 Euro pro Person. Bei so einer Reise seien Halbpension, Flüge und der Aufenthalt in einem Mittelklassehotel inbegriffen. Bei Selbstverpflegung reduziere sich der Preis auf 950 Euro, erklärt Linnhoff der Mallorca Zeitung. Mit einem Zuschuss von 500 Euro wäre so eine Reise finanziell machbar.

„Man schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe: Die Rentner bekämen auch Zuschüsse, wir sparen Gas für die Industrie und unterstützen die Urlaubsziele. Denn ich glaube, Mallorca ist immer noch durch die Pandemie gebeutelt“, wird Linnhoff zitiert. Die Reisebranche sei ohnehin wegen des Ukraine-Konflikts mitgenommen: Familien würden zuerst auf einen Urlaub verzichten, sollten sie in finanzielle Not geraten. „Wir brauchen Möglichkeiten, dass gerade Reisen subventioniert werden.“

Linnhoff vertritt mit dem VUSR mehr als 7000 Reisebüros in Deutschland. Laut der Mallorca Zeitung sei sie vergangene Woche von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) in den Tourismusbeirat der Bundesregierung berufen worden. Ihr Vorschlag, dass Rentnerinnen und Rentner die Wintermonate an wärmeren Urlaubsorten verbringen sollten, habe mit dieser Entscheidung nichts zu tun.

Rentnerinnen und Rentner wegen Gas-Mangel in den Urlaub schicken: Politik kritisiert Linhoffs Vorschlag

Für ihren Vorschlag erntet Linnhoff Kritik. Medienberichten zufolge fürchtet der Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, Andreas Pinkwart, Einbrüche des Weihnachtsgeschäfts. Würde dadurch die Kaufkraft sinken, könnten neue Probleme entstehen. Linnhoff hält dagegen, dass Reisen im Januar und Februar das Weihnachtsgeschäft nicht beeinträchtigen würden. SPD-Politiker Ralf Stegner sagte gegenüber der Bild-Zeitung: „Das ist eine typische Schnapsidee und sicher kein Beitrag zur Lösung unserer energiepolitischen Herausforderungen“. Auch CDU-Politikerin Jana Schminke äußerte sich: „Nur wenige Rentner dürften sich die Doppelbelastung aus laufender Miete in der Heimat und Auslandsaufenthalt tatsächlich leisten können, trotz staatlicher Subventionierung“, zitiert die Bild.

Am Montag veröffentlichte der VUSR auf seiner Homepage eine Mitteilung zur Berichterstattung über Linnhoff. Darin erklärt die Vorsitzende, dass sie sich über die Debatte zu ihrem Vorschlag freue, denn alle Branchen müssten angesichts der aktuellen Krise „einen Beitrag dazu leisten, Energie einzusparen“. Alle Möglichkeiten sollten daher diskutiert werden. „Das gilt auch für die Tourismuswirtschaft und die Idee des Überwinterns in wärmeren Gefilden ist dabei in mehrerlei Hinsicht durchaus ernst zu nehmen, weil sie – gut gemacht und konzeptioniert – Energie einsparen kann, die wir in Industrie und anderen systemrelevanten Bereichen im kommenden Winter gut gebrauchen können“, schreibt Linnhoff in der Mitteilung. (Natascha Terjung)

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