1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Kreis Gießen

Gaspedal weniger stark gedrückt

Erstellt:

gikrei_2503_blitz_vb_250_4c
Die Polizei konfrontierte diejenigen, die mit zu hohem Tempo geblitzt wurden, gleich mit ihrem Verstoß. © Wißner

Beim »Speedmarathon« der Polizei wurden keine gravierenden »Ausreißer« festgestellt.

Kreis Gießen (twi). »Ich wusste es ja, aber ich habe einfach nicht dran gedacht«, räumte ein BMW-Fahrer ein, den die Polizei in der Windhofkurve auf der B 3 vor Butzbach auf einen Parkplatz gelotst hatte, um ihn mit einem Verkehrsverstoß zu konfrontieren. Mit 82 Stundenkilometern war der BMW im hier geltenden Tempo 70-Bereich gemessen worden, was ihn, weil außerorts, 20 Euro kostet. In der Windhofkurve wie auch an den fünf Messstellen in Gießen, zwei in Lollar (L 3475 sowie Gießener Straße/Sportplatzweg), in der Grünberger Straße in Geilshausen sowie auf der B 457 Fahrtrichtung Lich wurde am gestrigen Donnerstag beim »Speedmarathon 2022« von 6 bis 22 Uhr »Jagd« auf Verkehrssünder gemacht.

Auch wenn der Begriff »Speed« vermuten lässt, dass es nur um Temposünder geht, so wurde auch verstärkt auf Gurtmuffel und Handynutzer geachtet. Wie Guido Rehr von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Mittelhessen in einem ersten Kurzfazit mitteilte, gab es keinerlei gravierende »Ausreißer«. Die Verkehrsverstöße hielten sich im Rahmen.

Zum einen ist dies darauf zurückzuführen, dass im Vorfeld bereits alle »Blitzorte« veröffentlicht wurden und sich die Verkehrsteilnehmer darauf einstellen konnten. Zum anderen hätten die Autofahrer in den vergangenen Wochen und Monaten ihr Verhalten verändert, berichtete Rehr. Dies liege am Bußgeldkatalog mit drastischen Strafen und an den hohen Spritpreisen.

Während der Fahrt telefoniert

Beim Pressetermin in Butzbach waren auch Polizeipräsident Bernd Paul und der Leiter der Direktion Verkehrs- und Sonderdienste, Andreas Düding, vor Ort. An einem Infomobil war nicht nur der neue Bußgeldkatalog, sondern auch eine Infobroschüre »Für mehr Sicherheit: Verkehr neu geregelt« erhältlich.

Erwischt wurden auch zwei Handynutzer, die sichtlich verärgert waren, denn mittlerweile kostet das Telefonieren während der Fahrt 100 Euro. Hinzu kommt ein Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei. An allen Messorten wurden die Verkehrsverstöße mit Laserpistole oder anderen Geräten erfasst. Während die Auswertung bei den anderen Messgeräten noch etwas dauert, konnten die mittels Laserpistole erfassten Verstöße umgehend vor Ort abgearbeitet werden. In Butzbach waren dazu auf einem Parkplatz in der Stadt vier Stationen eingerichtet worden, wo jeweils zwei Polizeibeamte den Verkehrssünder mit seinem Verstoß konfrontierten.

Alle Messstellen waren ausgewählt worden, weil es hier in der Vergangenheit auch zu schweren Unfällen gekommen war. In der Windhofkurve starben vor fünf Jahren drei junge Menschen. In den vergangenen drei Jahren gab es elf polizeilich registrierte Unfälle mit Schwer- und Leichtverletzten. Auch wenn sich die festgestellten Geschwindigkeitsverstöße allesamt in die Kategorie »moderat« einordnen lassen, so gehört nach wie vor zu schnelles Fahren zu den häufigsten Unfallursachen auf hessischen Straßen.

Unfallursache Nr.1

»Nicht angepasste Geschwindigkeit war im zurückliegenden Jahr bei Unfällen mit tödlich Verletzten und Schwerverletzten in Hessen die Unfallursache Nr. 1. Während sich innerorts deutlich mehr Verkehrsunfälle ereigneten als außerorts, sind in der Folge bei außerörtlichen Verkehrsunfällen deutlich mehr Personen tödlich verletzt worden. Die Ursache hierfür ist die deutlich höhere Fahrgeschwindigkeit«, erläuterte Polizeioberrat Gerhard Keller, Leiter der Direktion Verkehrssicherheit und Sonderdienste im Polizeipräsidium Mittelhessen, der in diesem Jahr hessenweiter Koordinator des »Speedmarathons« war.

Deshalb mahnt die Polizei weiterhin, dass Geschwindigkeitsverstöße kein Kavaliersdelikt sind, weil die Folgen aufgrund fehlender Weitsicht häufig außer Acht gelassen werden. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten jedoch, dass eine um zwei Stundenkilometer reduzierte Geschwindigkeit innerorts die Zahl der Verunglückten um 15 Prozent senke. Dies werde insbesondere deutlich, wenn man bedenkt, dass acht von zehn Fußgängern sterben, wenn sie von einem Auto erfasst werden, das 65 Stundenkilometer fährt. Bei so einem Unfall mit Tempo 50 überlebten hingegen acht von zehn.

»Zu hohe Geschwindigkeit ist eine entscheidende Ursache für viele Schwerverletzte oder gar Verkehrstote«, betonte Rehr. »Offensichtlich hatten sich die Fahrer gut über die Messstellen der Polizei und der Kommunen informiert. An vielen Blitzstellen hielt man sich weitestgehend an die vorgegebenen Tempolimits. Die Verkehrsteilnehmer drückten deutlich weniger auf das Gaspedal. Wenn sie dennoch die geforderten Tempolimits überschritten, dann in der Mehrheit nur in geringem Maße«, so die erste Zwischenbilanz.

Auch interessant